Freitag, 7. Juni 2013

(Test-) Bericht: Restaurant Rosin




Vorspeise: Gedämpfter Knusper-Ferkelbauch
mit Açorda und Peperonata
Vor einigen Tagen war ich mit Herrn V. anlässlich seines Geburtstages Abends im Restaurant Rosin in Wulfen. Von diesem außergewöhnlichen Erlebnis würde ich gerne berichten - allerdings ist das hier nur bedingt ein Testbericht, da ich bisher in keinem Restaurant mit ähnlichem Niveau war. Zwar bin ich des Öfteren schon in Lokalen mit gehobenem Niveau gewesen, aber bisher in keinem mit zwei Michelinsternen. Vorab kann ich schon mal sagen, dass die Gerichte dort wirklich vorzüglich sind. Außerdem habe ich keine Fotos gemacht, da es mir der Stimmung nicht angemessen schien und ich mich wirklich nur auf das Essen konzentrieren wollte. Im Nachhinein habe ich aus der Erinnerung ein paar Skizzen angefertigt, die das Essen des Abends illustrieren.
Und das ist schon etwas Anderes, als das Übliche: Es beginnt direkt beim Service. Sobald man vor dem Restaurant steht, wird die Tür geöffnet und ein Ober bittet die Gäste direkt hinein und man wird zu seinem Tisch geführt, wenn man reserviert hat. Nach jedem Gang wird neues Besteck gedeckt usw. Das Ganze ist schon sehr förmlich - es gehört sich wahrscheinlich bei einem Restaurant dieser Klasse einfach so. An sich war es dort sehr leer (acht Gäste) -  das mag aber an dem Wochentag gelegen haben.

Sobald man am Tisch sitzt, wird nach einem Aperitif gefragt: Wir haben uns für Champanger entschieden. Da uns direkt aus einer frisch geöffneten Flasche eingeschenkt wurde, dachte ich zunächst wir hätten automatisch eine ganze Flasche Champanger bestellt (zumal auch das danach bestellte Wasser direkt aus einer Flasche einschenkt wurde). Dem war nicht so und das war auch ganz gut. Denn der Champanger hat zwar wirklich fantastisch geschmeckt, aber das wäre auch sehr, sehr teuer gewesen. (Im Restaurant Rosin gibt es soweit es mir ersichtlich war keine Getränkekarten, d. h. man weiß nicht, was der ganze Spaß kostet. Aber eigentlich sollte man in so einem Restaurant nicht auf den letzten Pfennig achten.)
Hauptgang: Milchfleisch vom Lamm und Kalb
mit Topinambur und französischem Sommertrüffel

Vor der Speisekarte braucht man übrigens gar keine Angst z. B. vor unbekannten Begriffen haben: Bevor bestellt wird, erzählt einer der Kellner etwas zu jedem Gericht auf der Karte. Außerdem muss man seine Wahl nicht direkt treffen, sondern man kann Gericht für Gericht bestellen und immer "aussteigen", falls man satt ist.
Die Karte ist sehr klein und nichts für Vegetarier. Das Prinzip ist folgendes: Auf der linken Seite finden sich die sogenannten "Schmackofatze". Sie werden nicht mitbestellt, sondern quasi als Gruß aus der Kücheüber den Abend verteilt  serviert. Dann kann man das eigentliche Menü aus Vorspeisen, Hauptspeisen und Dessert direkt ganz oder in Schritten bestellen. Wir haben uns für ein 3-Gang-Menü entschieden, aber alles nach und nach bestellt.

Ich habe folgende Gerichte gewählt:
  • Gedämpfter Knusper-Ferkelbauch mit Acorda und Peperonata
  • Milchfleisch vom Lamm und Kalb mit Topinambur und französischem Sommertrüffel
  • Gravensteiner Apfeltarte und Marshmallow mit gefrorener Karotte und Vanilletopfen

Als "Schmackofatze" wurden serviert:
  •  Heimischer Spargel mit Königslachs und Sashimiaromen
  •  Pizzetti auf Auberginen-Kaviar
  • Dreierlei von der eingemachten Sommerkirsche

Dessert: Gravensteiner Apfeltarte und Marshmallow
mit gefrorener Karotte und Vanilletopfen
Es fällt mir schwer, dieses Erlebnis in geeignete Worte zu fassen. Als erstes fällt auf, dass die Portionen sehr klein sind, gerade zu klischeehaft klein (wie man es aus Satiren kennt). Aber man soll sich hier schließlich nicht vollfressen, um es vulgär zu sagen, sondern den besonderen Geschmack genießen. Außerdem kommen ja noch die drei "Schmackofatze" dazu und der üppige Brotkorb mit sechs verschiedenen Buttersorten (Ziegenmilchbutter, Gewürzbutter, Kräuterbutter, Fruchtbutter usw.; das Foto eines anderen Testers findet ihr hier). Ich bin also, trotz des winzigen Mittagessens zuvor, nicht hungrig aus dem Restaurant Rosin heraus gegangen.
Geschmacklich kann ich nur sagen, dass es einfach lecker war. Ich esse ja eigentlich (wenige Ausnahmen gibt es in manchen Restaurants) kein Fisch, geräucherten Schinken, Lamm-, Rind- und Schweinefleisch. Ich mag einfach den Geschmack und oft die Konsistenz nicht. Aber hier war das Fleisch so lecker, obwohl es auch seinen Fleischgeschmack behalten hat. Es war zart und saftig - so zart, dass es auf der Gabel zerfiel und auf der Zunge zerging. Auch der Lachs und der geräucherte Schinken der "Schmackofatze" waren wirklich lecker. Da war es fast ein bisschen schade, dass die Stücke so klein waren (etwa 3 x 3 x 3 cm).
Die "Beilagen" wie drei gefüllten Cannelloni (von der Größe eines halben, kleinen Fingers) oder das Basilikumpesto waren wirklich fein, aber im Wesentlichen war doch das Fleisch aus meiner Sicht wirklich bemerkenswert.
Schmackofatz 3: Dreierlei von der eingemachten Sommerkirsche
Auch das Dessert war delikat: Die Apfeltarte war jedoch recht schlicht im Vergleich zum Karotten-Ingwer-Eis, welches einfach sehr stimmig war. Eines der Marshmallows wurde mit Blattgold serviert. Optisch ein absolutes Highlight. Die geschmackliche Krönung war aber der Vanilletopfen (etwa 1 Tl gab es) in einer knusprigen Hülle - da hätte ich mich reinlegen können - fa-bel-haft. (Von Herr V. weiß ich aber auch, dass das Parmesan-Eis sehr gut gewesen sein muss.)
Von den "Schmakofatzen" möchte ich noch letzteren erwähnen: Auf knusprigem Keks als Würfel serviert findet sich mehrere Kirsch-Gelee-/-Marmeladen-Schichten und als Decke eine sehr intensiv schmeckende Schokoladenschicht mit silbrigem Überzug. Der Würfel steht in einer Kirschsoße. Obendrauf liegt eine winzige Kirsche und eine Spirale aus rosafarbenem Zucker. Die Kombination aus Keks, Kirsche und Schokolade ist wirklich sehr zu empfehlen.
Und es ist natürlich alles wunderschön angerichtet.

Nun habe ich nicht jede Komponente des Menüs und der Gerichte einzeln beschrieben und auch wahrscheinlich nicht so, wie es bei Kritiken solcher Restaurants üblich ist. Aber darum ging es mir auch gar nicht. Mich hat erstaunt, dass dort so gut gekocht wurde, dass ich das Fleisch sogar dem Gemüse vorgezogen hätte. In meinem ganzen Leben habe ich noch kein vergleichbares Fleisch probiert (ich probiere es ja immer wieder). Ich kann nur jedem empfehlen dieses Restaurant zu probieren, auch wenn es ein teures Vergnügen ist. Wir haben für zwei Personen 185 € bezahlt und das ohne Weinbegleitung. Bevor ich also mein Studium nicht abgeschlossen habe, werde ich mir das nicht noch einmal leisten können. Danach hoffentlich schon.

Im Übrigen war sogar der Chef persönlich im Hause und hat die Gäste einzeln begrüßt.


persönliche Karte
Restaurant Rosin
Hervester Strasse 18
46286 Dorsten-Wulfen

www.frankrosin.de

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